Zuversicht

 

 

Jagd

 

 

Zwielicht meinem Pfad voraus

Düstrer Hohlweg, ohne Bruch

Warmen Erdreichs süß' Geruch

meinem Rücken Vorhang gleich

 

Birken blecken Zähne frech

Rindenfetzen winken matt

Andacht, Furor lang schon satt

Krüpplig Schemen hohngefüllt

 

Harsche Wipfel knarzen jäh

Vorwärts karge Karstkontur

Nasser Nebel Äther nur

Nichts, woran mein Blick verweilt

 

Gipfelmantel rauer Grate

meiner Makel Spiegelsaale

Holz in Kaskaden birst

gar knochenbleiche Bosheit

Frostkrone Forstes First

 

Mysterium apathisch ächzt

Fahlen Firnes Ornamente

Kohletropfen, blind versprengte

Im Überall Verwünschung lechzt

 

Enterisch Ruh' im Wald

groteske Öde, meine

Spuren mir einzig Halt

Gottestisch trist mir errichtet

müßig Stein auf Stein geschichtet

 

Brach und zeitlos

vom Ariadnenfaden bloß

 

Ein Fluss im Tal

 

 

Katafalk

 

 

Steif und streng

nackte Äste

weichen Herbstgrau

kahl und dürr

 

Nuss und Saat

stumm begraben

Zartes Keimen

lang dahin

 

Wenn kein Tropfen

fallend Wirrnis sucht

Wassers blanken Schein

sacht bewahrend

 

Wenn opaque Tiefe

in unbehelligt Frieden

Wenn starr versiegelt Einheit

Allem abgewunden

 

Tollen reihum verdorrte Früchte

Toben umher verhärmte Krähen

Ungestüm tanzen tote Küken

Stieben zerborstene Kadaver

 

Stieben zerborstene Kadaver

Stieben zerborstene Kadaver

Stieben zerborstene Kadaver

Stieben zerborstene Kadaver

 

 

Abriss

 

 

Unausweichlich Sog

Heimatschlundes Ruf

Feuchte Schwere mich

willkommen heißt

 

In gefror'nen Grund

opulente Kluft

so archaisch mich

hinunter reißt

 

Der Duft von Kuchen teuer

in klammem Schneefall verschwindet

Der Qualm von Buchenfeuer

in klirrend Ödland sich windet

 

Unter erratisch Himmelsfunkeln

werfe ich mich nieder

die enigmatisch gleißend Gestirn'

Seien meine Hirten

 

Mir in geblähte Schneeverwehung

kratz ich einen Kompass

In schwarzem Weiher verquirl' ich

kaustisch schillernd Grinsen

 

Hack ab

den falschen Januskopf!

 

 

Heimat

 

 

Es bricht ein Krähenschwarm

aus dichtem Nadelwald

im Fluge tadellos

 

Skelett obsidian

zerreißt den Wolkenturm

im Ziehen mühelos

 

Von Lichtfluts Sättigung

verbrämt die Talsohle

im Nimbus grenzenlos

 

Meiner Schritte Zuversicht

frischen Weg in Dämmerung

sticht, geschwind und leichtfertig

 

Abkömmlich Hautkruste nehm' ich mir

meinen Leib in Fetzen dar ich leg'

Welch Andacht abgesondert' Glieder

 

Irrlichternd Spiegelbild trüb mir wird

Jeder Strom ein and'res Ich dir zeigt

Frohlocken sekretierter Tränen

 

Sickern linde Rinnsale

Ich berge klare Schätze

Formen fetten Erdboden

Ich bette mich in Ruhe

Graben Wurzeln klaftertief

Ich schürfe meinen Urgrund

Thronend Wildwuchs friedfertig

Ich labe mich an Schatten

 

 

Requiem

 

 

Durch klarer Lüfte

turbulenter

Anwandlungen

ein keckes Vöglein

trägt hinfort der

Früchte nutzlos

Überbleibsel

 

In kühlem Glanze

spielerischen

Widerscheines

ein munt'res Bächlein

trägt hinfort des

Sommer's nutzlos

Rest

 

Alles fügt sich

Alles übt sich

in Gottergebenheit

 

Nichts wehrt sich

Nichts sträubt sich

der Allvergänglichkeit

 

Der Herbstzorn wütet heulend

befreit Gestrüpp vom Treiben

gibt stakend Gerippe frei

Als höhnend Mahnmal Gottes

 

 

Zuversicht

 

 

Nirgends

Sturmes Tosen

sich verfängt auf

meinem Antlitz

Scherben

meiner Rufe

Säurebläschen

 

Haine

Weiher

Wälder

Wiesen

prachtvoll

umschmeichelt

von Frostkaskaden

 

Unter Blühen

birst mein Körper

 

Windet sich in

Hagelböen

 

Wandelt durch

Nebelwehen

 

Wühlt sich in

Wüstenei

 

Veräußert sich in

Selbstverzehr

 

Was bleibt, ist Zuversicht